Sie ist da! <3 (Teil II)

Standard

 

Abends durfte ich noch zum Aufklärungsgespräch mit einem Anästhesisten, danach klärte mich eine sehr nette Ärztin über die Risiken auf und ging mit mir gemeinsam die geplante Vorgehensweise bei einem Kaiserschnitt durch. Nix wirklich neues, dann waren alle notwendigen Formulare unterschrieben, noch immer war ich die Ruhe selbst.

27.05.2014 – Dienstag

Nach einer entspannten Nacht, in der ich fast gut durchgeschlafen hatte, kam der <3-Mann schon gegen acht Uhr in der Früh, um ja nicht den Startschuss zu verpassen. Weil Rosalies Geburt ja kurzfristig auf dem OP-Plan dazwischen geschoben worden war, wussten wir nicht genau, wann ich an der Reihe sein würde.

Beim Waschen machte ich dann aber zunächst noch eine gruselige Entdeckung! Eine Zecke! Nein, zwei. Und da auch noch eine…
Oh je, der Cache-Ausflug am Sonntag durch den Wald und das hohe Gras hatte seine Folgen hinterlassen. Als die Schwester mir meine OP-Kluft ins Zimmer brachte, fragte ich vorsichtig, ob es auf der Station jemanden gäbe, der mir die Biester entfernen könne.
Und tatsächlich kam ein paar Minuten später eine andere Schwester mit einer Zeckenzange, die sie extra aus der Ambulanz geholt hatte. Wir witzelten dabei herum, die Stimmung war absolut gut, und ich war richtig entspannt. Lustig war auch, dass der Herzmann ebenfalls direkt bei sich eine Zecke entdeckte und daher auch noch vor der Schwester die Hose herunter lassen durfte… Klasse Service.

Das letzte Foto mit BauchGegen neun schaute der Chefarzt noch einmal bei mir im Zimmer vorbei und wollte sich vergewissern, dass ich noch immer bei meiner Entscheidung bleiben wollte. Das wollte ich absolut.

Es hieß dann, dass ich gegen halb elf rum an der Reihe sein würde, also verbrachten mein Mann und ich die Wartezeit gemeinsam mit Spielen am ipad oder unterhielten uns einfach unbeschwert. Er betonte immer wieder, was für ein Unterschied es wäre im Vergleich zu gestern Nachmittag, wo ich nur noch ein Nervenbündel und den Tränen nahe gewesen sei. Dass ich nun so ruhig und entspannt war, war ihm fast ein wenig unheimlich.

Letztendlich dauerte es noch etwa bis zwölf Uhr, bis mich die Hebamme zum OP abholte. Es herrschte zu diesem Zeitpunkt Hochbetrieb in den Kreissälen, so dass sich alles etwas verschob und noch eine weitere Hebamme aus der Bereitschaft geholt werden musste. Die Hebamme begleitete mich durch die Schleuse in den OP während mein Mann sich OP-Kittel anziehen und während der Vorbereitungen draußen warten musste.

Die Anästhesieschwester pampelte mich dann blöd an, warum ich überhaupt jetzt einen Kaiserschnitt haben müsste. Ich hätte doch gar nicht auf dem Plan gestanden. Letztendlich hatte ich an dieser Stelle mal so gar keine Lust, mich mit ihr über die Notwendigkeit meiner OP zu unterhalten und sagte nur, dass der Chefarzt das so festgelegt habe.
Im OP waren dann alle wieder sehr nett zu mir.
Die Vorbereitungen nahmen ihren Lauf, eine Infusion sollte gelegt werden, wobei der blöde Zugang auch hier nicht funktionierte und sie mir zwei neue legen mussten. Dafür hatte ich das blöde Ding die ganze Nacht ertragen müssen!

Der Anästhesist war ein total netter, riesiger Kroate, der mich von der Statur an Vitali Klitschko erinnerte und auch so sprach… ; )
Die PDA war auch in nullkommanix gesetzt und tat fast gar nicht weh. Gruselig fand ich nur, dass ich meine Füße und Zehen weiterhin bewegen konnte. Deshalb fragte ich erstmal nach, ob das denn so richtig wäre. War es aber anscheinend, denn der Anästhesist fand das nicht ungewöhnlich und testete mit einem Spray, bis wohin ich Kälte empfinden könne, alles war normal. Das Spray konnte ich an den Beinen spüren, aber überhaupt nicht ob es kalt war. So sollte die Narkose wirken und das tat sie.

Nun durfte auch mein Mann wieder hereinkommen, er saß bei mir am Kopf, das Operationsfeld war nun mit einem grünen “Vorhang” verdeckt. Noch immer war ich ganz entspannt. Kurz wurde mir ein bisschen flau, weil der Blutdruck ein bisschen durch die PDA abgesackt war, was aber sofort mit einem Medikament entgegengesteuert wurde.
Alles gut also, nur mein größtes Problem in diesem Moment war…
…dass mir so furchtbar die Nase juckte und ich mich wegen der festgeschnallten Arme nicht kratzen konnte! Also bat ich den Herzmann darum, der aber nur etwas zaghaft meine Nase berührte. Als der Anästhesist dann zwischendurch fragte, ob alles in Ordnung sei, teilte ich ihm meine “Qual” mit.
”Das ist normal, issich Näbenwirkung von Narkose!” sagte er mit seinem lustigen Akzent und kratzte mir feste meinen Riechkolben. Welche Wohltat.

Um 13:01 Uhr hieß es dann “Schnitt”, den ich überhaupt nicht merkte. Die Ruckelei danach allerdings nicht zu knapp. So ein Kaiserschnitt ist eine ziemlich brutale Sache. Der ganze OP-Tisch wackelte während der Chefarzt und der Oberarzt Rosalie ans Licht der Welt brachten. Das Ziehen, Zerren und Drücken habe ich schon voll mitbekommen, allerdings vollkommen ohne Schmerzen und daher noch immer entspannt.
Hinter dem Vorhang hörten wir dann auf einmal eine Stimme fragen “Wo ist eigentlich die Plazenta?” –
Mein Mann und ich schauten uns daraufhin an und mussten wirklich richtig laut loslachen. War irgendwie Situationskomik. Daran sah man auch, wie locker wir während der OP waren. Ich war so froh.

Erst als es um 13:04 Uhr hieß “Kind ist raus”, änderte sich das Gefühl schlagartig. Ich sah meinen Mann an und meinte “Ich hab Angst.”
Etwas ungläubig entgegnete mein Mann daraufhin, dass doch jetzt eigentlich alles vorbei wäre und sie nur noch nähen würden, warum ich nun Angst habe.
Das war es aber. Nun war alles vorbei und in wenigen Augenblicken würde ich unser Kind sehen. Das machte mir irgendwie Angst.

Wir hörten Rosalie mit zarter Stimme schon ein wenig meckern, sie war noch kurz mit Hebamme und Anästhesisten unterwegs, die sie untersuchten, in ein Handtuch einschlugen und uns dann brachten. Auf einmal lag sie auf meiner Brust und schaute mich an.

Das hübscheste Baby der Welt. 3.880 g schwer, 51 cm groß.

Sie ist daWer jetzt irgendwelche romantischen Anwand-lungen oder Tränendrüsendrücker erwartet, hat Pech. Keiner hat geheult, ist vor Rührung umgefallen oder sonstwas. Sie lag da, schaute uns aus ihren Kulleraugen an – und hatte den Daumen im Mund! Das veranlasste alle Schwestern im OP zu lautstarken Begeisterungsrufen und Freuden-ausbrüchen.

Die Hebamme brachte uns zurück auf die Station, wo wie eigentlich etwas Zeit gemeinsam im Kreissaal verbringen sollten, um Rosalie zu wiegen, zu messen und mich nach der OP zu überwachen. Da es aber so voll war an diesem Tag, musste ich direkt wieder aufs Zimmer während mein Mann und die Hebamme sich um Rosalie kümmerten.
Als sie nach einer Weile wiederkamen, trank sie das erste Mal bei mir, so als hätte der kleine Schnappfisch nie etwas anderes gemacht.

Nun fing für uns die Zeit zu Dritt an. Die Zeit des Staunens und des Kennenlernens. Rosalie war von Anfang an ein Anfängerbaby. Unkompliziert. Ganz bezaubernd.
Die erste Zeit musste allerdings mein Mann sie wickeln, anziehen und mir zum Stillen anreichen, weil ich erst am folgenden Tag aufstehen konnte. Die Schmerzen waren dank Infusion zunächst erträglich. Als diese dann aber durchgelaufen war, hatte ich ordentlich mit Nachwehen zu kämpfen. Soll mal einer sagen, mit einem Kaiserschnitt würde man sich vor Wehen drücken… Meine waren schon heftig und laut Aussage der Schwester durchaus in der Intensität mit “normalen” Wehen zu vergleichen. Und ich Dussel ließ mir erst am folgenden Morgen wieder ein Schmerzmittel geben, was mir einen ziemlichen Anschiss der Schwester einbrachte.

Am ersten Tag hatten wir uns von unserer Familie und unseren Freunden noch etwas Schonzeit erbeten, so dass erst am Mittwoch der erste Besuch von unseren Eltern kam. Das war auch gut so, denn ich war schon noch etwas angeschlagen. Man darf sich nichts vormachen, so eine große Bauch-Operation ist schon recht belastend.
Aber jeden Tag ging es ein bisschen besser. Mama und Kind wohlauf, alle gesund und munter – das war ja das allerwichtigste.
Bereits am dritten Tag nach dem Kaiserschnitt (Freitag) durften wir zu dritt nach Hause gehen.

Das war Rosalies Geburt. Viele Leute fragen einen ziemlich direkt, wie denn die Geburt war, ob es lange gedauert hat oder ob man große Schmerzen gehabt habe. Ich antworte dann immer, dass sie sehr entspannt war. Das ist auch genau das, was ich mir für die Geburt gewünscht hatte. Umso mehr bin ich froh, dass es nun wirklich so gekommen ist. Dass es nun etwas schneller ging als geplant, war natürlich nicht so in meinem Interesse und hat mir einen Tag höchste Aufregung beschert. Aber letztendlich habe ich meine Geburt selbst bestimmt. So sollte es sein. Man (frau) weiß in der Regel am besten, was in dieser Situation das richtige ist.
Manchmal kommt es einem so vor, als müsse man sich beinahe für einen Kaiserschnitt rechtfertigen. Das tue ich nicht. Ich würde es jederzeit wieder so machen. Entspannt und zu jeder Zeit mit dem Wissen, was auf einen zukommt.

Kommentare, Fragen, Anmerkungen sind herzlich Willkommen.

Advertisements

»

Ich würde mich sehr freuen, wenn Du einen Kommentar hinterlässt!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s