6 Monate Mama

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6 Monate Mama

27.11.2014 – Ich bin seit sechs Monaten Mama!

Wer mich kennt, darunter ich selbst, konnte sich das bislang absolut nicht vorstellen…
Ich war immer die, die mit Babys und Kleinkindern nichts anfangen konnte. Wo meine Freundinnen lauthals „wie süß“ oder „darf ich es mal auf den Arm nehmen“ kreischten, fand ich Kinder eher nervig und dachte „haltet Euer Baby doch selbst fest“!

Das hatte zur Folge, dass ich in der Schwangerschaft eher so gemischte Gefühle hatte. Würde das weiterhin so sein? Könnte ich ohne Bedienungsanleitung mit einem Zwerg klar kommen? Wäre ich schnell genervt?
Und bis zum allerletzten Tag (siehe hier) hatte ich wirklich Angst, eine miserable Mama zu werden.
Im Nachhinein macht es mich ein wenig traurig, die Schwangerschaft nicht so genossen zu haben wie die von mir so belächelten „Happy-Schwangeren“.

Aber am 27.05.2014 – ich glaube es dauerte keinen ganzen Tag – lernte ich diesen bezaubernden kleinen Menschen kennen. Das tollste Geschenk, dass ich je bekommen habe.
Und seitdem bin ich Mama.
Wahrscheinlich nicht mal so miserabel, – auf jeden Fall mit unendlich viel Liebe, Glück und Mamastolz.

Meine Familie und Freunde waren gleichermaßen erstaunt, wie schnell und bedingungslos aus dem „Kinderschreck“ eine Mama wurde.
Auf einmal war ich die, die sich nicht mehr vorstellen konnte, das Baby im Nebenzimmer schlafen zu lassen oder die aus 100 Metern Entfernung aufsprang, wenn sie ein leises Weinen hörte. Oder die weinte, weil sie den Text in dem Schlaflied „morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“ so furchtbar fand, weil sie an die Gefahr des plötzlichen Kindstods denken musste…

Rosalie ist einfach bezaubernd. Mit sechs Monaten ist sie nun eine richtig kleine Persönlichkeit. Sie hat das „auf-den-Bauch-drehen-und-zurück“ inzwischen perfektioniert und bewegt sich zielgerichtet und kullernd durchs Laufgitter oder auf der Krabbeldecke.
Seit ein paar Tagen hebt sie auch schon den Hintern hoch und wackelt so lustig vor und zurück! Zum Schießen komisch!

Essen findet sie ganz besonders spannend und schaut einem ALLES, was man selbst isst, mit den Augen weg. Dabei guckt sie so herzzerreißend hungrig und bettelt wie ein kleiner Hund.
Dabei bekommt sie mittags bereits Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, den ich meistens sogar selbst gekocht habe. Zwischendurch gab es auch schon mal Getreide-Obst-Brei. Seit gestern beginnen wir auch mit Milch-Getreide-Brei am Morgen, denn so allmählich möchte ich nämlich das Thema Stillen beenden.

Während ich hier liege (ja liege, denn Rosalie ist nach dem Stillen auf der Couch eingeschlafen) fallen mir ganz viele Dinge ein, über die ich noch bloggen könnte – vielleicht gibt es ja in Zukunft auch wieder häufiger etwas hier zu lesen…?
Es könnte allerdings gut sein, dass sich der Schwerpunkt in Richtung „Mama-Alltag“ verschieben wird. :))

Nach sechs Monaten „Mama-Sein“ kann ich sagen, dass es eine wundervolle, befriedigende (nicht immer einfache) Aufgabe ist und ich unendlich glücklich bin, dass es Rosalie gibt.

Ich liebe sie so sehr.

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Sie ist da! <3 (Teil II)

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Abends durfte ich noch zum Aufklärungsgespräch mit einem Anästhesisten, danach klärte mich eine sehr nette Ärztin über die Risiken auf und ging mit mir gemeinsam die geplante Vorgehensweise bei einem Kaiserschnitt durch. Nix wirklich neues, dann waren alle notwendigen Formulare unterschrieben, noch immer war ich die Ruhe selbst.

27.05.2014 – Dienstag

Nach einer entspannten Nacht, in der ich fast gut durchgeschlafen hatte, kam der <3-Mann schon gegen acht Uhr in der Früh, um ja nicht den Startschuss zu verpassen. Weil Rosalies Geburt ja kurzfristig auf dem OP-Plan dazwischen geschoben worden war, wussten wir nicht genau, wann ich an der Reihe sein würde.

Beim Waschen machte ich dann aber zunächst noch eine gruselige Entdeckung! Eine Zecke! Nein, zwei. Und da auch noch eine…
Oh je, der Cache-Ausflug am Sonntag durch den Wald und das hohe Gras hatte seine Folgen hinterlassen. Als die Schwester mir meine OP-Kluft ins Zimmer brachte, fragte ich vorsichtig, ob es auf der Station jemanden gäbe, der mir die Biester entfernen könne.
Und tatsächlich kam ein paar Minuten später eine andere Schwester mit einer Zeckenzange, die sie extra aus der Ambulanz geholt hatte. Wir witzelten dabei herum, die Stimmung war absolut gut, und ich war richtig entspannt. Lustig war auch, dass der Herzmann ebenfalls direkt bei sich eine Zecke entdeckte und daher auch noch vor der Schwester die Hose herunter lassen durfte… Klasse Service.

Das letzte Foto mit BauchGegen neun schaute der Chefarzt noch einmal bei mir im Zimmer vorbei und wollte sich vergewissern, dass ich noch immer bei meiner Entscheidung bleiben wollte. Das wollte ich absolut.

Es hieß dann, dass ich gegen halb elf rum an der Reihe sein würde, also verbrachten mein Mann und ich die Wartezeit gemeinsam mit Spielen am ipad oder unterhielten uns einfach unbeschwert. Er betonte immer wieder, was für ein Unterschied es wäre im Vergleich zu gestern Nachmittag, wo ich nur noch ein Nervenbündel und den Tränen nahe gewesen sei. Dass ich nun so ruhig und entspannt war, war ihm fast ein wenig unheimlich.

Letztendlich dauerte es noch etwa bis zwölf Uhr, bis mich die Hebamme zum OP abholte. Es herrschte zu diesem Zeitpunkt Hochbetrieb in den Kreissälen, so dass sich alles etwas verschob und noch eine weitere Hebamme aus der Bereitschaft geholt werden musste. Die Hebamme begleitete mich durch die Schleuse in den OP während mein Mann sich OP-Kittel anziehen und während der Vorbereitungen draußen warten musste.

Die Anästhesieschwester pampelte mich dann blöd an, warum ich überhaupt jetzt einen Kaiserschnitt haben müsste. Ich hätte doch gar nicht auf dem Plan gestanden. Letztendlich hatte ich an dieser Stelle mal so gar keine Lust, mich mit ihr über die Notwendigkeit meiner OP zu unterhalten und sagte nur, dass der Chefarzt das so festgelegt habe.
Im OP waren dann alle wieder sehr nett zu mir.
Die Vorbereitungen nahmen ihren Lauf, eine Infusion sollte gelegt werden, wobei der blöde Zugang auch hier nicht funktionierte und sie mir zwei neue legen mussten. Dafür hatte ich das blöde Ding die ganze Nacht ertragen müssen!

Der Anästhesist war ein total netter, riesiger Kroate, der mich von der Statur an Vitali Klitschko erinnerte und auch so sprach… ; )
Die PDA war auch in nullkommanix gesetzt und tat fast gar nicht weh. Gruselig fand ich nur, dass ich meine Füße und Zehen weiterhin bewegen konnte. Deshalb fragte ich erstmal nach, ob das denn so richtig wäre. War es aber anscheinend, denn der Anästhesist fand das nicht ungewöhnlich und testete mit einem Spray, bis wohin ich Kälte empfinden könne, alles war normal. Das Spray konnte ich an den Beinen spüren, aber überhaupt nicht ob es kalt war. So sollte die Narkose wirken und das tat sie.

Nun durfte auch mein Mann wieder hereinkommen, er saß bei mir am Kopf, das Operationsfeld war nun mit einem grünen “Vorhang” verdeckt. Noch immer war ich ganz entspannt. Kurz wurde mir ein bisschen flau, weil der Blutdruck ein bisschen durch die PDA abgesackt war, was aber sofort mit einem Medikament entgegengesteuert wurde.
Alles gut also, nur mein größtes Problem in diesem Moment war…
…dass mir so furchtbar die Nase juckte und ich mich wegen der festgeschnallten Arme nicht kratzen konnte! Also bat ich den Herzmann darum, der aber nur etwas zaghaft meine Nase berührte. Als der Anästhesist dann zwischendurch fragte, ob alles in Ordnung sei, teilte ich ihm meine “Qual” mit.
”Das ist normal, issich Näbenwirkung von Narkose!” sagte er mit seinem lustigen Akzent und kratzte mir feste meinen Riechkolben. Welche Wohltat.

Um 13:01 Uhr hieß es dann “Schnitt”, den ich überhaupt nicht merkte. Die Ruckelei danach allerdings nicht zu knapp. So ein Kaiserschnitt ist eine ziemlich brutale Sache. Der ganze OP-Tisch wackelte während der Chefarzt und der Oberarzt Rosalie ans Licht der Welt brachten. Das Ziehen, Zerren und Drücken habe ich schon voll mitbekommen, allerdings vollkommen ohne Schmerzen und daher noch immer entspannt.
Hinter dem Vorhang hörten wir dann auf einmal eine Stimme fragen “Wo ist eigentlich die Plazenta?” –
Mein Mann und ich schauten uns daraufhin an und mussten wirklich richtig laut loslachen. War irgendwie Situationskomik. Daran sah man auch, wie locker wir während der OP waren. Ich war so froh.

Erst als es um 13:04 Uhr hieß “Kind ist raus”, änderte sich das Gefühl schlagartig. Ich sah meinen Mann an und meinte “Ich hab Angst.”
Etwas ungläubig entgegnete mein Mann daraufhin, dass doch jetzt eigentlich alles vorbei wäre und sie nur noch nähen würden, warum ich nun Angst habe.
Das war es aber. Nun war alles vorbei und in wenigen Augenblicken würde ich unser Kind sehen. Das machte mir irgendwie Angst.

Wir hörten Rosalie mit zarter Stimme schon ein wenig meckern, sie war noch kurz mit Hebamme und Anästhesisten unterwegs, die sie untersuchten, in ein Handtuch einschlugen und uns dann brachten. Auf einmal lag sie auf meiner Brust und schaute mich an.

Das hübscheste Baby der Welt. 3.880 g schwer, 51 cm groß.

Sie ist daWer jetzt irgendwelche romantischen Anwand-lungen oder Tränendrüsendrücker erwartet, hat Pech. Keiner hat geheult, ist vor Rührung umgefallen oder sonstwas. Sie lag da, schaute uns aus ihren Kulleraugen an – und hatte den Daumen im Mund! Das veranlasste alle Schwestern im OP zu lautstarken Begeisterungsrufen und Freuden-ausbrüchen.

Die Hebamme brachte uns zurück auf die Station, wo wie eigentlich etwas Zeit gemeinsam im Kreissaal verbringen sollten, um Rosalie zu wiegen, zu messen und mich nach der OP zu überwachen. Da es aber so voll war an diesem Tag, musste ich direkt wieder aufs Zimmer während mein Mann und die Hebamme sich um Rosalie kümmerten.
Als sie nach einer Weile wiederkamen, trank sie das erste Mal bei mir, so als hätte der kleine Schnappfisch nie etwas anderes gemacht.

Nun fing für uns die Zeit zu Dritt an. Die Zeit des Staunens und des Kennenlernens. Rosalie war von Anfang an ein Anfängerbaby. Unkompliziert. Ganz bezaubernd.
Die erste Zeit musste allerdings mein Mann sie wickeln, anziehen und mir zum Stillen anreichen, weil ich erst am folgenden Tag aufstehen konnte. Die Schmerzen waren dank Infusion zunächst erträglich. Als diese dann aber durchgelaufen war, hatte ich ordentlich mit Nachwehen zu kämpfen. Soll mal einer sagen, mit einem Kaiserschnitt würde man sich vor Wehen drücken… Meine waren schon heftig und laut Aussage der Schwester durchaus in der Intensität mit “normalen” Wehen zu vergleichen. Und ich Dussel ließ mir erst am folgenden Morgen wieder ein Schmerzmittel geben, was mir einen ziemlichen Anschiss der Schwester einbrachte.

Am ersten Tag hatten wir uns von unserer Familie und unseren Freunden noch etwas Schonzeit erbeten, so dass erst am Mittwoch der erste Besuch von unseren Eltern kam. Das war auch gut so, denn ich war schon noch etwas angeschlagen. Man darf sich nichts vormachen, so eine große Bauch-Operation ist schon recht belastend.
Aber jeden Tag ging es ein bisschen besser. Mama und Kind wohlauf, alle gesund und munter – das war ja das allerwichtigste.
Bereits am dritten Tag nach dem Kaiserschnitt (Freitag) durften wir zu dritt nach Hause gehen.

Das war Rosalies Geburt. Viele Leute fragen einen ziemlich direkt, wie denn die Geburt war, ob es lange gedauert hat oder ob man große Schmerzen gehabt habe. Ich antworte dann immer, dass sie sehr entspannt war. Das ist auch genau das, was ich mir für die Geburt gewünscht hatte. Umso mehr bin ich froh, dass es nun wirklich so gekommen ist. Dass es nun etwas schneller ging als geplant, war natürlich nicht so in meinem Interesse und hat mir einen Tag höchste Aufregung beschert. Aber letztendlich habe ich meine Geburt selbst bestimmt. So sollte es sein. Man (frau) weiß in der Regel am besten, was in dieser Situation das richtige ist.
Manchmal kommt es einem so vor, als müsse man sich beinahe für einen Kaiserschnitt rechtfertigen. Das tue ich nicht. Ich würde es jederzeit wieder so machen. Entspannt und zu jeder Zeit mit dem Wissen, was auf einen zukommt.

Kommentare, Fragen, Anmerkungen sind herzlich Willkommen.

Sie ist da! <3

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Mit dem regelmäßigen Bloggen hat das ja nun nicht so gut geklappt…
Aber es würde etwas fehlen, wenn ich nicht von Rosalies Ankunft erzählen würde, also habe ich endlich ein Eckchen Zeit gefunden, ein bisschen was davon zu erzählen.
Die meisten werden es schon persönlich, über Facebook oder Twitter erfahren haben, dass “Rosalie” auf der Welt ist, aber hier muss ja auch das wie und wann festgehalten werden, obwohl es ja schon mehr als zwei Monate her ist!

24. Mai 2014 – Samstag (errechneter ET)

CTG

 

Am errechneten Entbindungstermin (ET) sollte ich abends zum Krankenhaus zur CTG-Kontrolle kommen. Wir waren gegen 19 Uhr dort, trafen auf unsere Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs und ließen uns erklären, wie es ab jetzt weitergehen sollte. Ich wollte nämlich wissen, wie nun der “Fahrplan” aussieht, denn die Oberärztin hatte bei der Geburtsplanung vor einem Monat gesagt, man würde bei einer Schwangerschaftsdiabetes höchstens fünf Tage über den ET gehen und dann einleiten.

Die Hebamme riet mir, mich am Montag vom Chefarzt untersuchen zu lassen, da er weniger “vorsichtig” sei als die Oberärztin und ich dort in besseren Händen wäre.

Gesagt, getan…

25. Mai 2014 – Sonntag

Nach meinem Gefühl tat sich noch überhaupt nichts. Ich war fit wie ein Turnschuh. Und wie Sonntags so üblich, machten wir mit unseren Freuden noch einen schönen Geocaching-Ausflug in den Wald. Im Nachhinein war das vielleicht ein wenig unvernünftig, denn so wie meine Frauenärztin mir gesagt hatte, hätte ich bei einem eventuellen Blasensprung liegend transportiert werden müssen. Und dort im nichts, wo wir diesmal auf Schatzsuche waren, wäre im Leben kein RTW hingekommen.

Aber wie schon vorausgesagt, blieb alles ruhig. Wir machten einen schönen Waldspaziergang und suchten einen netten Multi-Geocache. Anschließend gemütliche und leckere Einkehr auf einem Bauerngasthof. Sehr entspannter Sonntag.,,

26. Mai 2014 – Montag

Wie von der Hebamme empfohlen, rief ich morgens früh gleich im Krankenhaus an, um nach einem Termin beim Chefarzt zu fragen. Ergebnis: Ich durfte direkt um halb neun vorbeikommen.
Mein Mann hatte morgens noch gefragt, ob er noch arbeiten gehen könnte, aber nach meiner Einschätzung gab es da absolut keine Sorge, dass es in der nächsten Zeit irgendwie losgehen würde.

Die Untersuchung beim Chefarzt ergab dann einen ähnlichen Befund. Absolut null Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. Muttermund komplett geschlossen, Gebärmutterhals so wie immer, Kind noch recht weit oben und noch nicht in Richtung “Ausgang” gesunken. Aber alles top in Ordnung.
Der Doc meinte auf meine Frage nach dem weiteren Vorgehen nur, ich solle noch diese Woche Geduld haben, denn eine Einleitung würde eher dann Erfolg haben, wenn man vorher ausreichend gewartet hätte. Also erst einmal abwarten und dann zum Wochenende noch mal gucken, ob man dann langsam einleitet.
Das kam mir sehr gelegen, denn vom Thema “Einleitung” hielt ich ohnehin nicht viel, und noch eine Woche Zeit für mich erschien mir eine verlockende Aussicht.

CTG2Als nächstes sollte ich noch zum Kreissaal, um ein CTG zu machen. Routine – dachte ich. Vorher textete ich noch meinem Mann, dass alles wie vermutet und in Ordnung sei.
Dann nahm die Geschichte allerdings eine etwas unerwartete Wendung:

Das CTG gefiel der Hebamme und der diensthabenden Ärztin nicht so richtig. Meinen Einwand, Rosalie habe immer morgens gepennt und das Problem hätten wir bei meiner Frauenärztin auch schon einmal gehabt, ließen sie nicht gelten. Herztöne waren kräftig und regelmäßig, aber eben ZU regelmäßig, und dadurch schwer auswertbar.

Zwischendurch sollte ich etwas trinken, dann eine Runde spazieren gehen, und langsam hatte ich einen Hals, weil ich lieber nach Hause wollte…
Bis Mittags war ich dann mit dem CTG zugange, bis dann der Chefarzt auch noch einmal einen Blick drauf werfen sollte, und er nun plötzlich meinte, das CTG wäre nicht optimal (7 von 10 Punkten, was auch immer das bedeutet), und nun wäre es doch besser, JETZT schon einzuleiten. Ein Notfall  wäre es nicht, aber es könne sein, dass die Versorgung nun nachlasse und man würde mit diesem Befund nicht noch eine Woche abwarten. Ich sollte also direkt da bleiben.


WAAAAAAAAAAAAAAAS?

Gerade hieß es noch, alles noch “Fort Knox” und lieber abwarten, und nun (HEUTE?) einleiten???
Da war ich ziemlich durch den Wind. Natürlich vertraute ich dabei auf die Einschätzung des Arztes, aber so hatte ich mir die Sache nicht vorgestellt. Ich wollte doch warten, bis mein Körper von sich aus den “Startschuss” gibt und dann auch bereit für eine natürliche Geburt ist!
Aber na schön, wenn das das beste für mein Kind sein sollte, dann machen wir das halt. Ganz so gelassen habe ich das zu dem Zeitpunkt allerdings nicht gesehen und wollte das überhaupt nicht. Ich kam mir ein bisschen überrumpelt vor und bekam langsam Panik.

Es ging alles so verdammt schnell. Die Hebamme stellte direkt eine Tablette auf den Tisch, ich unterschrieb einen Aufklärungszettel zur Einleitung und zum Medikament, dann kam gleich die Ärztin und verpasste mir einen Zugang. “Wofür einen Zugang? Ich dachte, ich sollte eine Tablette bekommen?”
”Das wird immer so gemacht bei einer Einleitung…”
Auch das wollte ich eigentlich nicht, ließ es aber wie ein krankes Pferd über mich ergehen und ärgerte mich, dass die Ärztin noch nicht einmal über den blöden Zugang Blut abnehmen konnte und direkt noch einmal die Nadel zücken musste.

Dann sollte ich mich bei der Patientenaufnahme anmelden und mir auf der Station ein Zimmer geben lassen. Anschließend würde mir die Hebamme die Tablette geben und mir den Ablauf der Einleitung erklären. Jetzt müsse sie aber zuerst einmal in den OP zu einem Kaiserschnitt.

In der Zwischenzeit textete ich meinem Mann, dass er nun doch langsam nach Feierabend machen und meine Tasche mitbringen sollte. Fahrplanänderung. Er sollte sich aber keine Sorgen machen.
Mit das Schlimmste an der Situation war zu allem Überfluss, dass mein Handyakku sich dem Ende näherte und ich damit nicht mehr die Möglichkeit hatte, mich mitzuteilen. Und natürlich kein Ladekabel dabei… Ich hatte ja auch eigentlich vorgehabt, nach höchstens zwei Stunden wieder daheim zu sein!

Wie im Trance und sichtlich geknickt, meldete ich mich an, lief zur Station und bekam dort ein Zimmer. Die Schwester war sehr nett und gab mir ein Einzelzimmer, denn die Station war zurzeit voll belegt.
Dann passierte nichts mehr. Keine Schwester, keine Hebamme, keine Tablette –  niemand schaute mehr nach mir. Und irgendwann kam dann der Liebste mir meiner Tasche und fand ein Nervenbündel vor.
Wir spielten ein Brettspiel am ipad zur Ablenkung, aber schon da bekam ich zwischendurch eine halbe Panikattacke, weil ich mit der Situation so überrumpelt war.
Am späten Nachmittag holte mich dann eine andere Hebamme zu einem erneuten CTG ab, was schon ganz anders und deutlich besser aussah als heute Morgen. Klar, nachmittags war ja auch nicht Rosalies Schlafenszeit…
Auf meine Nachfrage hin sagte die Hebamme, dass sie mich mit so einem CTG heute Morgen ganz normal hätten gehen lassen…
Na prima.
Ich schilderte ihr meine Bedenken bezüglich einer Einleitung bei einem derartig “unreifen” Befund wie bei mir heute Morgen. Meine Sorge war, dass es wie so häufig erst kaum vorwärts gehen würde und dann nach quälend langer Zeit doch zu einem Kaiserschnitt kommen würde. Sie konnte meine Argumentation nachvollziehen und schlug eine Art “Kompromiss” vor. Ich sollte dem Chefarzt doch vorschlagen, morgen mit der Einleitung zu beginnen (zur Nacht würde man das nicht machen, weil man dann nicht schlafen könne) und mal zu schauen, wie mein Körper auf das Medikament reagiere. Wenn sich dann nichts tun würde, könne man immer noch am Mittwoch zu einem Kaiserschnitt übergehen. Dann hätte ich es “wenigstens versucht”, was aus ihrer Sicht mental sehr wichtig für die meisten Frauen sei.

Das wäre es für mich definitiv nicht. Ich hätte mir eine natürliche Geburt vorstellen können. Allerdings unter der Voraussetzung, dass mein Körper das Startsignal gibt und es dann allmählich losgeht. Ich hatte immer gesagt, dass ich mir durchaus einen Kaiserschnitt vorstellen kann, wenn es dafür eine Indikation gibt. Und nun kam so vieles zusammen: Der gänzlich unreife Befund, ein nicht astreines CTG, ein geschätztes Geburtsgewicht von 4 kg und einen großen Kopf-/Rumpfumfang.
Ich wollte mich aus diesen Gründen einfach nicht mit einer Einleitung herumschlagen, weil ich überhaupt nicht daran glaubte, dass diese unter diesen Vorzeichen zu einem glücklichen Ende führen könnte. Dann lieber gleich einen Kaiserschnitt in Ruhe und ohne Hektik.

Und diese Überlegung versuchten wir dann abends dem Chefarzt klar zu machen. Zunächst war er verärgert, weil ich die Einleitungs-Tablette nicht genommen hatte. Dafür konnte ich aber nichts, denn schließlich war niemand mehr damit zu mir gekommen. Natürlich hatte ich auch nicht danach gefragt, schließlich wollte ich sie ja tatsächlich auch eigentlich gar nicht.
Nachdem er sich dann meine Argumentation angehört hatte, und auch mein Mann  ihm glaubhaft versichern konnte, dass ich sicherlich keine Depressionen bekommen würde, wenn ich nicht “alibimäßig” eine natürliche Geburt versucht hätte, schlug er nach einigem Hin und Her vor, man könne dann auch direkt morgen den Kaiserschnitt machen und Rosalie auf die Welt holen. Zuvor hatte auch er noch einmal eindringlich davor gewarnt, dass viele Frauen psychische Probleme wegen eines Kaiserschnitts bekommen und dass er deshalb immer erst zu einer Einleitung tendieren würde.

Als das Gespräch dann endlich diese Wendung genommen hatte, fiel mir beinahe hörbar ein dicker Felsbrocken vom Herzen. Ab diesem Augenblick war ich wieder die Ruhe selbst und alle Anspannung fiel ab. Nun wusste ich, was auf mich zukommen würde, wie Rosalie auf die Welt kommen würde, und dass es nicht in einem hektischen, ungeplanten Notkaiserschnitt enden würde.

Mit dieser für mich guten Aussicht konnte ich sogar die Nacht über relativ gut schlafen, obwohl der blöde Zugang schmerzte und immer im Weg war, z.B. beim Duschen.
Der <3-Mann war um so mehr aufgeregt und hatte wohl so gut wie keinen Schlaf daheim allein. Er wollte am nächsten Morgen aber auch direkt schon wieder um acht bei mir sein, um die Geburt mitzuerleben.

Damit Ihr nicht vor Langeweile einschlaft oder vom langen Lesen müde werdet, teile ich diesen Blogartikel ausnahmsweise einmal in zwei Teile. (Hier lest Ihr weiter…)

Demnächst erfahrt ihr dann, wie Rosalie nun tatsächlich auf die Welt kam…
(in der Zwischenzeit sind Kommentare, Fragen oder Anmerkungen herzlich Willkommen!)

Es ist Rosa(lie)

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Rosalies FüßeIch hatte ja angekündigt, ein bisschen regelmäßiger was aus meinem (Schwangerschafts-)Alltag zu bloggen. Und das versuche ich jetzt einfach einmal. Ein Thema, nach dem ich jetzt schon häufiger mal gefragt worden bin, ist zum Beispiel die Fruchtwasser-untersuchung.

Für meinen Mann und mich stand schon immer fest, dass wir gern alle erfahrbaren Risiken abklären lassen wollten, sollte ich mal ein Baby erwarten. Wir wollten gern (so weit wie möglich) wissen, dass das Kind gesund ist.

Und so stellte sich im letzten Jahr die Frage, welche Formen der Pränataldiagnostik wir in Anspruch nehmen wollten, um diese Frage zu beantworten.

Mit meiner Frauenärztin besprach ich die Möglichkeiten und Risiken und bekam eine Empfehlung zu einem Spezialisten in Dorsten.

Dort hatten wir im November einen Termin zum Ersttrimester-Screening, auch bekannt unter dem Namen „Nackenfaltenmessung“. Der Arzt war außergewöhnlich nett und nahm sich ganz viel Zeit für die Untersuchung und die Besprechung. Bei dem „Hightec“-Ultraschall konnte der Doc schon ganz viel darstellen, wirklich beeindruckend, wie detailliert man schon zu diesem frühen Zeitpunkt (13. Woche) Gefäße und Organe darstellen kann!

Neugierig wie ich bin, fragte ich den Doc natürlich auch, ob man zwischen den Beinen schon was erkennen könne oder eben auch nicht? ;)
Dazu wollte er aber noch kein Statement abgeben, obwohl er für sich bereits jetzt eine Vermutung hatte…

Der Ultraschall ergab keinen Anlass zur Beunruhigung, alles war normal, alles so wie es sein sollte. Dennoch besprachen wir meinen Wunsch nach einer Fruchtwasseruntersuchung, die Frauen ab 35 Jahren (Risikogruppe! ;) empfohlen und dann auch von den gesetzlichen Versicherungen bezahlt wird.

Nachdem wir alle Beweggründe, Möglichkeiten und Risiken besprochen hatten, (der Doc war wirklich sehr genau und beantwortete alles ausführlich und empathisch), bekamen wir einen Termin zur Fruchtwasseruntersuchung in der 16. Schwangerschaftswoche, also Anfang Dezember.
Während des Gespräches ließ der Doc den Satz einfließen „…spätestens wenn der Schwiegersohn später vor der Tür steht…“ – und ich freute mich wie ein Kind, dass er sich bezüglich seiner Vermutung doch (absichtlich?) verplappert hatte!
(Wobei das heutzutage ja auch nichts aussagt oder ausmacht J)

Am Tag der Untersuchung war ich fast gar nicht aufgeregt. Wir fuhren nach Dorsten, hatten Montagsmorgens direkt den Termin um acht und besprachen mit dem Doc die Entnahme. Dazu muss man vielleicht sagen, dass die Entnahme von Fruchtwasser durch die Bauchdecke (Amniozyntese) mit einem gewissen Risiko für eine Fehlgeburt behaftet ist. Sie liegt im Schnitt bei ungefähr einem Prozent. Bei entsprechend erfahrenen Ärzten aber dann schon unter 0,5%. Dessen muss man sich einfach bewusst sein, insbesondere dann wenn die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenstörung noch geringer ist. So bekamen wir noch einmal eine Stunde Zeit, um einen Kaffee in der Stadt zu trinken und diese Entscheidung zu festigen.

Der Doc hatte mir versichert, er würde die Entnahme nur durchführen, wenn alle Rahmenbedingungen gut seien, daher wurde nochmal alles gründlich untersucht, alles war in bester Ordnung.

Die Entnahme war ganz easy. Unter Ultraschallüberwachung wurde mit einer Kanüle 12ml Fruchtwasser durch die Bauchdecke entnommen, was nahezu schmerzfrei war. Ich war auch ganz entspannt und hatte keine Angst. Zum Vergleich – Blut Spenden tut mehr weh und dauert zudem auch länger! :)
Danach musste ich noch fünf Minuten liegen bleiben, mir wurde noch Blut abgenommen, und dann sollte ich zur Sicherheit noch eine halbe Stunde im Wartezimmer bleiben. Denn wenn es Komplikationen gegeben hätte, wären die innerhalb dieses Zeitraums aufgetreten.

Ich hatte damit gerechnet, für zwei Tage auf der Arbeit auszufallen, weil man sich noch ein bisschen schonen soll nach einer Punktion, aber ich bekam eine AU für die ganze Woche und sollte einfach ein wenig ausruhen, keinen Sport machen und nicht schwer heben.
Am Abend rief die Praxis mich noch einmal an, um zu fragen, ob es mir gut gehe – ich bin wirklich noch immer ganz begeistert von der Betreuung durch diese Praxis. Aber alles ganz easy. Wenn ich es mir einbilden wollte, merkte ich an diesem Abend noch ein kleines bisschen so wie ganz minimale Periodenschmerzen, aber nichts Beunruhigendes oder unangenehmes.

Zwei Tage später war ich noch einmal zur Kontrolle bei meiner Ärztin, und da lagen dann auch schon die Ergebnisse des Schnelltests vor. Alles okay, keinerlei Auffälligkeiten, und auch die Vermutung des Docs wurde bestätigt. Es wird ein Mädchen!
Zwei Wochen später lagen dann auch die Resultate des „Langtestes“ vor, auch da war alles in Ordnung, und wir wissen jetzt, dass die Kleine keine der am häufigsten auftretenden Chromosomenanomalien haben wird.

Falls das Thema Pränataldiagnostik oder Fruchtwasseruntersuchung für jemanden von Euch auch einmal aktuell werden sollte, gebe ich Euch gern den Namen des Arztes aus Dorsten. Ich kann ihn uneingeschränkt empfehlen!

Inzwischen war ich noch einmal zur erweiterten Feindiagnostik Anfang Januar bei ihm, bei der wieder ein sehr ausführlicher Ultraschall gemacht wird, bei dem die Organe und Gefäße noch einmal näher untersucht werden. Das spannendste dabei waren glaube ich die Füße… Ich finde das Bild so witzig!
Auch diesmal gab es eine DVD von den 2D und 3D Bildern, aber das Fußbild ist mein Favorit ;)

Da wir den Namen unseres Nachwuchses nicht verraten wollen, haben sich meine Freundinnen einen “Codenamen” für sie ausgedacht, damit man nicht immer “das Baby” sagen muss –

Sie heißt daher “Rosalie”, in Anspielung auf die Tatsache, dass ich ROSA als Farbe schrecklich finde und allen verboten habe, uns rosafarbene Babyklamotten zu schenken…
Zwinkerndes Smiley

Lebenszeichen

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Ihr habt schon eine ganze Weile nichts von mir gelesen…

Zwar habe ich auch sonst nie viel oder besonders regelmäßig gebloggt, aber nach meinem letzten Post war ich so wahnsinnig motiviert zum Laufen, dass es Euch vielleicht doch ein wenig seltsam vorkam, überhaupt nichts mehr von mir oder meinem Training zu hören?

Das liegt daran, dass ich mich immer etwas schwer tue, über Dinge oder Erlebnisse hier zu erzählen, die viel näher an meinem persönlichen Umfeld sind als so banale Dinge wie Urlaub oder Lauftraining. Es hat sich aber so einiges getan in den letzten Monaten, und das will ich Euch nicht länger vorenthalten!

20140202-072936.jpgSeit dem 23. September (also ziemlich kurz nach der Leistungsdiagnostik) weiß ich, dass wir in unserer Familie bald nicht mehr zu zweit, sondern zu dritt sein werden…
Das war eine ziemliche Überraschung, denn wir hatten da nicht mehr so ganz mit gerechnet.

Also brauchte ich eine ganze Weile, um mich an den Gedanken zu gewöhnen und war anfangs eher zurückhaltend, was das Veröffentlichen von Statusmeldungen über mich und meine Aktivitäten anging.

Inzwischen wissen aber die allermeisten Menschen um mich herum, dass ich schwanger bin – also kann ich auch etwas darüber bloggen – vielleicht interessiert Euch das neue Thema ja auch?
Und ich stelle fest, dass es mir gut tut, dass sich viele Freunde, Verwandte, Bekannte und Kollegen wirklich über diese Nachricht freuen.

Ein Blogartikel, über den ich letztens gestolpert bin, hat mich wirklich sehr angesprochen, weil es mir so gut tat, mich in der Situation “schwanger und Sport” ein wenig wiederzuerkennen und zu merken, dass es nicht nur mir so geht, dass man zwiespältige Gefühle vor den aktuellen und den kommenden Veränderungen hat…

Also erzähle ich einfach ein bisschen, was ich so erlebe und wie es mir so ergeht. Ohne viel Gefühls-Blabla (meine Freunde wissen meistens auch so, wie es mir geht) und ohne Schnörkel und rosa Wolken. Einfach, was jetzt so passiert und was noch auf mich zu kommt.
Aber damit es nicht langweilig wird, mache ich daraus lieber einzelne Blogartikel. Vielleicht schaffe ich es ja, diesen Blog wieder etwas mehr mit Geschichten und Bildern zu beleben, damit Ihr nicht wieder so ewig lange auf ein Lebenszeichen von mir warten müsst.

Also #dranbleiben…

Laufdiagnostik für Laufschnecken?

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RezeptionIn meinem letzten Blogbeitrag hatte ich Euch erzählt, warum ich mich zu einer Leistungsdiagnostik angemeldet hatte und versprochen, darüber ausführlich zu berichten:

Letzten Freitag (06.09.2013) war es so weit. Nach der Arbeit machte ich mich auf den Weg nach Gelsenkirchen zum Sport- und Reha-Zentrum “medicos auf Schalke”.
Das einzige, was ich beachten sollte, war mich zwei bis drei Tage vorher nicht besonders stark zu belasten und zwei bis drei Stunden vorher nichts mehr zu essen.
Davon, dass ich nicht aufgeregt sein sollte, hatten sie zum Glück nichts gesagt…

Rezeption LD

Ich war ganz schrecklich aufgeregt. Warum weiß ich gar nicht so genau, aber das ist fast normal bei mir.
Zunächst an der Rezeption angemeldet – das Medicos wirkt wie ein riesiges Hotel, dann den Weg zur Abteilung Leistungsdiagnostik gesucht, was für mich Orientierungslegastheniker schon die erste Herausforderung war.
Danach zur Umkleide und in die Sportklamotten geworfen.
Als erstes stand das Ruhe-EKG und die sportmedizinische Untersuchung auf dem Programm.
Beim Ruhe-EKG meinte die nette Helferin Frau S. zu mir, “Sie haben einen Puls von 65, von Aufregung kann gar keine Rede sein!”
– Hm, fühlte sich aber doch anders an…
Der Arzt schaute sich das EKG an, stellte wahnsinnig viele Fragen zu meinem Gesundheitszustand, hörte auf Herz und Lunge, kontrollierte Bauch, Rücken und Gelenke, maß den Blutdruck (140/100, also doch ein bissl aufgeregt.) – danach hatte er keine Bedenken, mich aufs Laufband zu schicken.

Das schwierigste an der ganzen Laufdiagnostik war, glaube ich, mich so zu verkabeln, dass alle EKG-Elektroden und der Pulsgurt an der richtigen Stelle saßen und nicht verrutschten. Dazu bekam ich noch einen schicken Netzstrumpf übergezogen, um alles an der richtigen Stelle zu halten. Sehr sexy. Auf den riesigen Spiegel, in dem ich mich so während des Laufens, T-Shirt-los und voll verkabelt bewundern konnte, hätte ich nur zu gern verzichtet!
Und nur damit Ihr nicht auf die Idee kommt – Fotos gibt es davon zum Glück keine… ;)

Zunächst wurde noch im Stehen der erste Laktatwert gemessen. Dazu wird aus dem Ohrläppchen ein Tropfen Blut genommen, was überhaupt nicht weh tat.
Danach bestand meine Aufgabe nur noch darin, zu laufen. Alles weitere wurde mir immer angesagt, erklärt und sich wirklich total nett um mich gekümmert.
Los ging es mit gemütlichem walken (5 km/h). Jede Phase dauert drei Minuten, dann springt man breitbeinig vom Laufband und steht, während wieder ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen wird. Anschließend steigt man wieder ein, und die Geschwindigkeit wurde jeweils um ein weiteres km/h gesteigert.
Bei sieben km/h ging es mir noch gut, der Blutdruck inzwischen bei 180/100 – aber alles noch locker, und ich konnte mich nebenbei noch unterhalten.

Naturgemäß wurden die 3-Minuten-Abschnitte für mich immer anstrengender und die Dauer gefühlt immer länger. Ab neun km/h wurde jedes Mal der Blutdruck gemessen, Laktat natürlich ebenfalls.
Was mir selbst beim Laufen und dem Blick in den Spiegel auffiel, war meine Lippenfarbe. Ich hatte ganz extrem blaue Lippen. Na gut, ich beobachte mich ja sonst auch nie beim Laufen…

Vor Beginn der Laufdiagnostik hatte ich geschätzt, dass ich bis 11-12 km/h kommen würde. Das schaffte ich allerdings nicht ganz. Bei elf km/h legten mir die beiden Helferinnen nah, doch nur noch eine Minute zu versuchen, da auch der Blutdruck kontinuierlich in den Keller (100/60 zum Schluss) gegangen war, und sie mich nicht vom Laufband kippen sehen wollten…
Insgeheim war ich aber froh, dass ich nicht entscheiden musste, wann ich aufhöre, weil ich nie wirklich weiß, wann ich wirklich nicht mehr kann, oder ob ich nur einfach keine Lust mehr habe, weil es mir zu anstrengend wird. Also denke ich, dass der höchste Puls (173 bpm) bei diesem Test nicht zwangsläufig auch mein Maximalpuls ist.

Hauptbelastungsdaten

Zwischendurch kam auch noch einmal der Arzt und schaute aufs EKG, alle fragten immer ganz lieb, ob es mir noch gut ginge – aber ich fühlte mich ganz okay. Kaputt zwar, aber eben nicht schwindelig oder schlecht. Ich wollte nur nach dem Test ganz dringend “ausgehen”, das letzte Mal stehen bleiben fiel mir sehr schwer.

Mit Wasser und Handtuch versorgt, die Kabel wieder entwirrt und abgemacht, war ich erstmal entlassen und konnte in Ruhe duschen gehen. Das Zentrum ist wirklich riesig, alles ganz neu und sehr schick eingerichtet. Sehr angenehmes Ambiente. Man merkt auch nicht, dass man “Auf Schalke” ist, auch wenn das für mich fußballneutralen Menschen vollkommen unerheblich gewesen wäre…

Als nächstes erklärte mir Frau L. sehr nett und ausführlich, was die Auswertung der Leistungsdiagnostik nun für mich bedeutet.:
Wesentliches Ergebnis ist, dass ich bisher meistens “zu schnell” gelaufen bin. Das hört sich für alle halbwegs sportlichen Menschen, die meine bisherigen Zeiten kennen, schon ziemlich lustig an – ist es aber nicht. Mein Trainingsbereich, um Grundlagenausdauer zu trainieren (GA1), liegt bei einem Puls bis 135 bpm. Gelaufen bin ich aber meistens um die 150 bpm, oder höher wenn ich mal ein bisschen schneller wollte…
Dadurch fehlt es eben an der richtigen Grundlage: ich habe meinen Körper immer in den anaeroben Bereich gebracht, also in den Bereich, in dem er nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekommt.
Kurz erklärt: Um die Muskeln mit Energie zu versorgen, reicht normalerweise die Atmung. Die Sauerstoffaufnahme ist bei Belastungen im niedrigeren Bereich (aerober Bereich) auch über einen längeren Zeitraum ausreichend. Wenn dann aber die Intensität des Trainings steigt, desto mehr Energie müssen sich die Muskeln aus anderen Quellen besorgen, da der aufgenommene Sauerstoff nicht mehr ausreicht. Nun wird Glucose / d.h. die Kohlehydratspeicher abgebaut, und es entstehen hohe Laktatwerte oberhalb der anaeroben Schwelle. Hierdurch übersäuern die Muskelzellen, so dass die Leistungsfähigkeit der Muskeln rasant abnimmt. Das Training wird dadurch ineffektiv, man baut kaum Fett ab und riskiert schlimmstenfalls sogar Verletzungen.

Ich werde also zukünftig NOCH langsamer laufen. Zweimal in der Woche im GA1-Bereich, dafür für etwa eine Stunde oder länger. An meinem dritten Trainingstag “darf” ich dann etwas mehr, kleinere Intervalle, Berge oder GA2.
Langfristig soll sich dadurch eine Verschiebung der Laktat- und Leistungskurve ergeben, d.h. man wird durch das langsame Laufen schneller. Klingt komisch, probiere ich nun aber mal aus…

LeistungskurveNach der Auswertung der Leistungsdiagnostik und der ermittelten Werte gab es noch ein Gespräch mit dem Arzt. Auch er nahm sich noch einmal viel Zeit, um alles mit mir zu besprechen, ging auf meine Fragen zu meiner Schilddrüsen-Unterfunktion ein und beruhigte mich, dass mit meinem EKG alles in Ordnung war. Das Absacken des Kreislaufs bei so hohen Laktatwerten ist ebenfalls ganz normal und nicht Besorgnis erregend. Meine blauen Lippen, die auch den Helferinnen aufgefallen waren (“tragen Sie Lippenstift???”), waren ein sichtbares Zeichen für die sinkende Sauerstoffversorgung, aber eben normal zu diesem Zeitpunkt.

Meine neuen Trainingsbereiche:

Trainingsbereiche

Was Euch sicher noch interessiert, ist meine Einschätzung, ob sich so eine Leistungsdiagnostik auch für so Laufschnecken und Freizeitläufer wie mich lohnt, oder?
Mein Fazit dazu ist – Ja. Wenn man ein wenig beratungsresistent ist wie ich, hilft einem so eine hochprofessionelle Untersuchung dabei, den “richtigen” Trainingsbereich zu finden.
Ich hätte auch alternativ auf viele der gut gemeinten Tipps und Ratschläge der wirklich erfahrenen Läufer um mich herum hören können – dabei hätte ich das Geld gespart. Aber da ich die nie so wirklich ernst genommen habe und meinte, ich könnte gar nicht so langsam laufen – glaube ich zumindest jetzt den bunten Ergebnissen auf Papier…
(Ich erinnere mich noch gut, dass mein Kollege und Triathlon-Experte M. mir einmal sagte “Du trainierst mit zu hohem Puls. Fang doch mal mit walken an!” – Das wollte ich ja gar nicht hören… :) ) 

Medicos auf SchalkeZudem weiß ich nun, dass mein Herz und Kreislauf in Ordnung ist, und woran es lag, dass ich so überhaupt nicht vorwärts kam mit meinem Training.

Statt also die Laufschuhe an den Nagel zu hängen, habe ich wieder neue Motivation für mein Hobby und fange einfach noch einmal mit dem “Grundgerüst”, der Grundlagenausdauer an.

Zitat Frau L. “In Ausdauer steckt das Wort Dauer”, heißt also, ich muss Geduld mit mir haben und dafür schon einen längeren Zeitraum einplanen, als ich es gern hätte…

Sonntag und Freitag letzter Woche habe ich das ganze auch direkt umgesetzt und bin 60 Minuten bei 133 bpm und 70 Minuten bei 137 bpm gelaufen. Sehr langsam, sehr entspannt und nur mit Gehpausen, wenn der Puls an Steigungen jenseits der 150 Schläge kletterte.

Über die Distanz bzw. die Pace spreche ich dabei nicht, das hört sich fast ein wenig lächerlich an –
aber ich laufe ja nicht für andere, sondern für mich.
Und genau aus diesem Grund hat sich die Leistungsdiagnostik auch wirklich gelohnt.
Weil sie MIR hilft!

“Medicos auf Schalke” kann ich dazu auch vollstens empfehlen. Ich habe mich bei Frau S. und Frau L., aber auch bei Herrn Dr. M. sehr gut aufgehoben gefühlt. Auch hatte ich nicht das Gefühl, als “Laufschnecke” belächelt zu werden. Ich kann mir durchaus vorstellen, wenn ich jetzt wirklich dran bleibe, das ganze in einem oder eineinhalb Jahren noch einmal zu wiederholen und die Ergebnisse zu vergleichen.

Jetzt seid Ihr dran!
Habt Ihr auch schon einmal eine Leistungsdiagnostik machen lassen? Oder daran gedacht?
Mit welchen (neuen) Erkenntnissen?
Wie ist Eure Meinung?
Ich freue mich über jeden Kommentar!